Erneuerbare Energie dank Energiegemeinschaften

Sie möchten lokal und regional erzeugte, erneuerbare Energie aus Österreich nutzen? Energiegemeinschaften bieten Ihnen viele neue Möglichkeiten.

Energiewende dank EAG

Österreich hat es sich zum Ziel gesetzt, den Stromverbrauch bis 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien abzudecken. Somit müssen bis 2030 zusätzlich 27 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Um dieses Ziel erreichen zu können, schafft das „Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzespaket“ (EAG-Paket) neue Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich. Es ermöglicht Verbraucher*innen und Erzeuger*innen den Zusammenschluss zu Energiegemeinschaften. So können Sie zukünftig ganz leicht erneuerbare Energie nutzen, Kosten sparen und sich an der Energiewende beteiligen.

Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen innerhalb eines Wohnhauses

Kund*innen, die in einem Mehrfamilienhaus wohnen können seit einem Jahr gemeinschaftlich von sauberem Sonnenstrom profitieren. Hierfür wird auf dem Dach des Mehrfamilienhauses eine gemeinschaftliche Erzeugungsanlage errichtet und betrieben. Die erzeugte Energie wird von den an der gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage teilnehmenden Bewohner*innen des Hauses verbraucht.

Ermöglichung von Energiegemeinschaften

Mit Inkrafttreten des EAG-Pakets können sich nun auch Privatpersonen, Gemeinden und Unternehmen über Grundstücksgrenzen hinweg zu einer Gemeinschaft zusammenschließen und von dezentral erzeugter Energie profitieren. Dazu müssen sich mindestens zwei Teilnehmer*innen und eine Erzeugungsanlage zu einer Energiegemeinschaft zusammenschließen.

Die Energiegemeinschaft ermöglicht es den Teilnehmer*innen, die innerhalb der Gemeinschaft erzeugte Energie zu verbrauchen und speichern. Der Gemeinschaftsüberschuss kann in das öffentliche Netz eingespeist und verkauft werden. Die Rechte und Pflichten der TeilnehmerInnen bleiben weiterhin bestehen, wie etwa die freie Wahl eines Energielieferanten. 

Der Verbrauch wird pro Teilnehmer*in verrechnet. Die Messung der Verbrauchs- und Erzeugungsanlagen erfolgt mit einem Smart Meter oder Lastprofilzähler. Der Smart Meter muss den Verbrauch und die Einspeisung im 15-Minuten-Takt messen und ermöglicht so eine zeitgenaue Zuordnung. 

Das EAG-Paket ermöglicht zukünftig zwei Arten an Energiegemeinschaften:

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG)

Die Teilnehmer*innen einer Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaft müssen über das Verteilernetz der Wiener Netze mit der Erzeugungsanlage verbunden sein. Sie müssen sich daher in einem Nahebereich befinden. Die gemeinsam genutzte Erzeugungsanlage entlastet das öffentliche Netz. Somit wird den Teilnehmer*innen ein anteilig begünstigtes Netznutzungsentgelt („Ortstarif“) verrechnet.

Bei Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaften wird zwischen zwei Nahebereichen unterschieden.

  • Lokaler Nahebereich: Die Erzeugungsanlage und die Teilnehmer*innen werden von demselben Niederspannungsteil einer Transformatorstation versorgt. Hier kommt der reduzierte lokale Ortstarif zur Anwendung.
  • Regionaler Nahebereich: Die Erzeugungsanlage und die Teilnehmer*innen sind über dieselbe Mittelspannungs-Sammelschiene in einem Umspannwerk miteinander verbunden. Teilnehmer*innen einer regionalen Energiegemeinschaft wird der regionale Ortstarif verrechnet.

Bürgerenergiegemeinschaften (BEG)

Die zweite Form von Energiegemeinschaften sind überregionale Energiegemeinschaften – die Bürgerenergiegemeinschaften. Die Teilnahme an BEGs ist somit nicht vom Nahebereich abhängig. Anders als bei Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaften kann in dieser Energiegemeinschaft auch nicht erneuerbar erzeugter Strom genutzt werden.  

Bürgerenergiegemeinschaften können sich über verschiedene Netzebenen und Versorgungsgebiete verschiedener Verteilernetzbetreiber erstrecken. Somit wird für die Verteilung des Stroms das gesamte öffentliche Netz benötigt. Aus diesem Grund kommt hier kein Ortstarif zur Anwendung, sondern es ist der allgemeine Netztarif zu entrichten.

Ab dem 4. April 2022 können Bürgerenergiegemeinschaften innerhalb des Versorgungsgebiet eines Verteilernetzbetreibers gegründet werden. Bürgerenergiegemeinschaften, die sich über die Versorgungsgebiete mehrerer Verteilernetzbetreiber erstrecken, sind ab Juni 2023 möglich.

Sind auch mehrere Erzeugungsanlagen möglich?

Aktuell können Energiegemeinschaften die Energie mit nur einer Erzeugungsanlage erzeugen. Wenn Sie mehr als eine Erzeugungsanlage zu Ihrer Energiegemeinschaft hinzufügen möchten, muss jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer einer der Erzeugungsanlagen zugeordnet werden.

Ab Oktober 2022 können Energiegemeinschaften auch mehrere Erzeugungsanlagen haben. Eine Aufteilung der einzelnen Teilnehmer*innen pro Erzeugungsanlage ist dann nicht mehr nötig. Die erzeugte Energie aller Erzeugungsanlagen Ihrer Energiegemeinschaft wird dann auf alle Teilnehmer*innen aufgeteilt. Die Übertragung der Teilnehmer*innen von den einzelnen Erzeugungsanlagen nehmen die Wiener Netze in Abstimmung mit der Energiegemeinschaft vor.

Weitere hilfreiche Informationen rund um Energiegemeinschaften

Konzeptbeschreibung Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften bei Oesterreichs Energie: https://oesterreichsenergie.at/fileadmin/user_upload/Oesterreichs_Energie/Publikationsdatenbank/Diverses/2021/Konzeptbeschreibung_Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften.pdf 

Österreichische Koordinationsstelle für Energiegemeinschaften: https://energiegemeinschaften.gv.at

Beschreibung der Übergangslösung von Erneuerbaren-Energiegemeinschaften mit mehreren Erzeugungsanlagen bis Oktober 2022: https://energiegemeinschaften.gv.at/wp-content/uploads/sites/19/2021/12/Umsetzung-von-Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften_Stand-Dezember2021v2.pdf